< Zurück zur Übersicht

Je früher, desto besser! Unternehmensnachfolge rechtzeitig regeln - Informationsveranstaltung im Rathaus Oberwart (Bild: Dax & Partner)

Reger Erfahrungsaustausch bei Je früher, desto besser!-Informationsveranstaltung

23. Oktober 2018 | 14:32 Autor: Weidinger Startseite, Burgenland

Oberwart (A) Im Rathaussaal der Stadtgemeinde Oberwart fand die Veranstaltung zum Thema: „Je früher, desto besser! Unternehmensnachfolge rechtzeitig regeln“ statt. Die KS-Steuerberatung sowie die Rechtsanwaltskanzlei Dax, Wutzlhofer und Partner luden gemeinsam mit der Erste Bank UnternehmerInnen der Region zu einer Informationsveranstaltung ein. Es konnten namhafte UnternehmerInnen gewonnen werden, die im Rahmen einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Günter Toth über ihre Erfahrungen zu diesem Thema berichteten.

Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden Problemstellungen diskutiert, vor denen Unternehmer bei der Nachfolgeplanung stehen. Neben psychologischen Aspekten in Zusammenhang mit der richtigen Auswahl des Nachfolgers wurden auch steuerliche, finanzielle und rechtliche Aspekte hinterfragt.

Die Umsetzung von Unternehmensnachfolgen dauern meist zwischen mindestens einem, im Regelfall zwischen drei und fünf Jahren. Der Unternehmer hängt an seinem „Baby“ – seinem Betrieb und das Loslassen von Macht, Erfolg, Entscheidungsfreude und Gestaltungswillen fällt oft schwer. Hinzu kommt die schwierige Aufgabe für den Senior der Suche nach dem „idealen“ Junior.

Dabei ist zu beachten, dass der „ideale“ Junior nicht unbedingt aus der eigenen Familie stammen muss. Kinder von Unternehmern meiden zunehmend die Übernahme des elterlichen Betriebes aus den verschiedensten Gründen: Sie wollen sich nicht derart an das Unternehmen binden, so wie es der Vater Jahrzehnte vorgelebt hat oder sie haben bereits resigniert, weil „der Alte“ eine notwendige Unternehmernachfolge immer wieder verzögert hat und nicht loslassen kann. Viele fürchten sich davor, die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen zu können – der Druck ist zu hoch.

Diese und ähnliche psychologische Aspekte haben natürlich maßgeblichen Einfluss auf das Gelingen einer Unternehmensnachfolge. Aber egal, ob der Nachfolger familienintern oder -extern gefunden wird, wichtig ist die Übergabe sorgfältig zu planen.

Ein Beispiel für eine geglückte Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie stellt die Schloffer GmbH in Großpetersdorf dar. Das im Jahr 1960 von Alois Schloffer als Tischlerei gegründete und im Jahr 1995 an Ing. Klaus Schloffer übergebene Unternehmen wurde unter anderem Partner und Ausstatter von McDonalds und agiert heute international in mehr als 60 Ländern mit mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nun steht die Übergabe an die 3. Generation an. Sabina Schloffer sowie der Junior, DI (FH) Laudris-Axel Schloffer, berichteten über ihre Erfahrungen zum Thema Weitergabe von Know How, Mitsprache, Rückzug des Seniors, Generationenkonflikte und Erfolgszwang.

Mag. Peter Bartos, Partner in der BDO Steuerberatungsgesellschaft und Kooperationspartner der KS Steuerberatung, nahm zu den kaufmännischen bzw. steuerlichen Aspekten Stellung.

Oftmals vernachlässigen Firmeninhaber vor der anvisierten Nachfolgeregelung die Planung über die Unternehmensnachfolge hinaus. Investitionen werden ausgesetzt oder eingeschränkt und das kann zu Problemen bei der Nachfolge führen. Dieser sogenannte ‚Investitionsstau‘ könnte zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit führen, was einen verringerten Kaufpreis zur Folge haben kann bzw. überhaupt zu Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Nachfolger führen kann. Deshalb ist es wichtig Unternehmensübergaben besser zu planen und auch unter Umständen externe Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Viele Firmeninhaber neigen dazu bei den Preisvorstellungen den emotionalen Wert ihres Unternehmens miteinzurechnen und kommen daher zu überhöhten Unternehmenswerten. Für einen Käufer ist es allerdings entscheidend, innerhalb welcher Zeit man das eingebrachte Kapital zurückgeführt bekommt. Bei der Bewertung der Unternehmen sowie bei der Ermittlung eines realistisch erzielbaren Verkaufspreises können Steuerberater bzw. Unternehmensberater unterstützen.

Natürlich sind auch strategische Überlegungen hinsichtlich der Besteuerung des Aufgabe- bzw. Veräußerungsgewinnes notwendig. In vielen Fällen kann man durch Umgründungsmaßnahmen das Unternehmen so ausrichten, dass eine Übertragung möglichst steuerschonend erfolgen kann.

Im Hinblick auf Umstrukturierungsmaßnahmen konnte Mag. Hans Peter Rucker von seinen Erfahrungen als Geschäftsführer der Burgenländischen Landesholding berichten. Die Fragestellung wie kann ich mein Unternehmen umstrukturieren, damit es interessant für potentielle Käufer wird, wurde von ihm erläutert. Weiters wurde auf die Möglichkeit der Finanzierung über die Risikokapitalfonds Athena und BRM, welche Teil der Gesellschaften der Burgenland Holding sind, hingewiesen. Kleinen und mittelgroßen Unternehmen werden dadurch benötigte finanzielle Freiheit geboten, um geplante Wachstumsstrategien umzusetzen oder wirtschaftlich herausfordernde Zeiten erfolgreich zu meistern.

Im Hinblick auf die Finanzierung von Unternehmensnachfolgen erläuterte Dr. Michael Jeserschek, Landesdirektor der Erste Bank Burgenland, wie der aktuelle Finanzstatus erhoben wird. Vor allem bei Klein- und Mittelbetrieben ist die Persönlichkeit des Unternehmers entscheidend. Hier geht es um Bonitätsbeurteilungen und welches Vertrauen dem Nachfolger entgegengebracht wird. Weiters wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen die organisatorischen Maßnahmen betreffend Zahlungsverkehr rechtzeitig zu regeln. Herr Dr. Jeserschek gab zu bedenken, dass es auch ungeplant und plötzlich zu einer Unternehmensübertragen kommen kann, weil der Firmeninhaber zB unerwartet verstirbt oder schwer krank wird. Hier stehen die Nachfolger dann oft vor dem Problem, dass sie keine Zeichnungsberechtigung für die Firmenkonten haben.

Mag. Johannes Wutzlhofer, Rechtsanwalt und Partner in der Rechtsanwaltskanzlei Dax Wutzlhofer und Partner, erläuterte die Notwendigkeit einer sogenannten ‚Legal Due Diligence‘. Das heißt der Nachfolger sollte prüfen, was er wirklich kauft bzw. übernimmt. Gesellschaftsverträge, Eigentumsverhältnisse, Verträge mit Personal und Zulieferern etc. werden durchleuchtet damit der Nachfolger vor mancher „Leiche im Keller“ bewahrt wird.

Jedes Jahr stehen in Österreich 6000 Firmen vor der Herausforderung der Unternehmensübergabe. Studien zeigen, dass fast zwei Drittel der Übergaben an die zweite Generation scheitern!  Die zentrale Verantwortung für das „Wann und Wie“ und damit der Erfolg einer Unternehmensnachfolge liegt beim Übergeber. Wer diese Nachfolge rechtzeitig plant und sich auch von externen Beratern wie Steuerberater, Rechtsanwalt und Hausbank Unterstützung einholt, minimiert das Risiko einer missglückten Nachfolge.

    Dax & Partner Rechtsanwälte GmbH

    Rusterstraße 62/Stiege 1, 7000 Eisenstadt
    Österreich
    +43 5 9004-200

    Details


    < Zurück zur Übersicht