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Mag. Helene Sengstbratl, Landesgeschäfts-führerin des AMS Burgenland (Foto: Petra Spiola / AMS)

AMS Burgenland verzeichnet parallelen Anstieg von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit

18. Jänner 2016 | 17:06 Autor: AMS Burgenland Österreich, Burgenland

Eisenstadt (A) Am Arbeitsmarkt setzt sich 2015 der bisherige Trend eines parallelen Anstiegs von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit fort. Die letzten 3 Jahre zeichneten sich durch ein bescheidenes Wirtschaftswachstum aus, das von einer steigenden Beschäftigung begleitet wurde. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit weiter.

Beschäftigung
Im Bundesländervergleich wies das Burgenland eine positivere Entwicklung am Arbeitsmarkt auf. Die Zahl der unselbständig Beschäftigten nahm im Burgenland um 1.200 bzw. 1,2% zu, im Österreichschnitt nur um +0,9%. Die Zahl der Beschäftigten erreichte mit 99.800 wieder einen neuen Rekordwert.

Die Beschäftigung im Burgenland stieg vor allem bei den den Älteren (+1.250 bzw. +3,3%) und den AusländerInnen  (+1.010 bzw. +4,2% auf 22.047 = Anteil von 21%); aber auch bei den InländerInnen verzeichneten wir ein Beschäftigtenplus um 220. Deutliche Zuwächse waren in den Wirtschaftsklassen öffentliche Verwaltung/ Sozialversicherung (+ 320), Beherbergung/Gastronomie (270), Gesundheit/Sozialwesen (+ 260), Handel/Reparatur (+ 200) und Erziehung/Untericht (+ 190). Im Bereich Herstellung von Waren hingegen ist die Beschäftigung deutlich gesunken (um über 400).

Arbeitskräfteangebot
Seit dem Jahr 2012 ist das Burgenland mit einem stark expansiven Arbeitskräfteangebot konfrontiert. Angebotssteigerungen kommen aus verschiedenen Arbeitsmarktsegmenten: GrenzpendlerInnen, MigrantInnen, Asylberechtigte, eine steigende Frauenerwerbsbeteiligung und ein höheres Pensionsalter. Besonders unter den gering qualifizierten Arbeitskräften hat sich dadurch der Wettbewerb um freie Jobs zunehmend verstärkt.

Arbeitslosigkeit
10.300 Arbeitslose im Burgenland, das stellt einen Negativrekord dar. Die Zahl der Jobsuchenden stieg im Vorjahresvergleich um 665 bzw. 6,9%. Die Zahl der Beschäftigungslosen, d.h. der Arbeitslosen plus der SchulungsteilnehmerInnen stieg um + 300 bzw. 2,51 %. Das Niveau der Arbeitslosigkeit ist um 1.800 höher als im Krisenjahr 2009.

2015 nahmen 15.700 Arbeitslose in durchschnittlich 99 Tagen (+ 11 Tage ggü. VJ) eine Beschäftigung auf. Möglich wurde diese rasche Vermittlung, weil es am burgenländischen Arbeitsmarkt auch eine hohe Dynamik gibt. Die duchschnittliche Dauer von Arbeitslosigkeit ist jedoch deutlich gestiegen.

Die Arbeitslosenquote (Anteil der Arbeitslosen am gesamten Arbeitskräftepotenzial) ist um 0,5 Prozentpunkte auf 9,3% gestiegen und lag damit sogar um einen Prozentpunkt über dem Wert aus 2009 (8,3%). Die österreichsische Arbeitslosenquote betrug 9,1% (mit einem Plus von 0,8 Prozentpunkten).

Auffällig hohe Anstiege bei der Arbeitslosigkeit betrafen die Berufsbereiche Industrie/Gerwerbe/Bau mit +184, Handel/Verkehr mit +113, Verwaltung/Büro mit +153 und Gesundheits-/Lehrberufe mit + 73 Arbeitslosen.

Nach Personengruppen waren AusländerInnen und Ältere ab 50 Jahren jeweils mit einem Plus von 11,4% überproportional betroffen.

Prognose 2016
Für 2016 werden 1.300 Beschäftigte mehr und ein verlangsamter Anstieg der Arbeitslosigkeit prognostiziert.

Laut Synthesis und Wifo wird es 2016 eine leichte Verbesserung der Konjunkturlage geben. Das Burgenland rechnet im Jahresschnitt 2016 mit 101.100 Beschäftigten, das sind um 1.300 Arbeitskräfte mehr als 2015. Das Arbeitskräfteangebot wächst weiter. Gleichzeitig wird mit einer weiteren Zunahme von Teilzeitjobs gerechnet. Dies bildet die Basis für einen neuerlichen Beschäftigungsrekord.

Für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit reicht das Wirtschaftswachstum nicht aus. Die Nachfrage nach zusätzlichen Arbeitskräften erweist sich als zu gering.

Für 2016 werden 10.800 Arbeitslose prognostiziert. Das entspricht einem Plus von 500. 9,7% des Arbeitskräftepotenzials werden auf Jobsuche sein – diese Arbeitslosenquote ist der höchste Wert seit 1963.

Qualifizierungsförderung

Für eine aktive Arbeitsmarktpolitik investierte das AMS Burgenland 2015 38,4 Mio. €. Damit wurden 10.300 Personen finanziell unterstützt. 62% des Förderbudgets wurden für Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote verwendet, über 25% für Beschäftigung. Lohnzuschüsse am ersten Arbeitsmarkt oder Beschäftigungsförderung in arbeitsmarktpolitischen Projekten wurden umgesetzt.

Bildungsmaßnahmen
7.300 Jobsuchende konnten an Aus- und Weiterbildungen teilnehmen. Das AMS Burgenland setzt seinen Fokus auf eine weitere Qualitätsverbesserung. Gemessen werden neben der TeilnehmerInnenzufriedenheit selbstverständlich auch die Arbeitsaufnahmen nach einer Qualifizierung. Bei der Zufriedenheit mit den Förderungen erhielt das AMS Burgenland die Note 1,6. Bei dem Erfolg der Arbeitsmarktförderung gelangen 40% Arbeitsaufnahmen.

Ausbildungsschwerpunkte
Das AMS Burgenland bildet FacharbeiterInnen aus und macht Angebote in der Weiterbildung. Qualifizierung in Bereichen, die am Arbeitsmarkt nachgefragt sind und eine hohe Vermittlungsquote im Anschluss an den Kursbesuch standen auch 2015 im Zentrum.

  • Facharbeiterintensivausbildungen mit Angeboten in  wichtigen Lehrberufen wie z.B. Handel, Lagerlogistik und dem ganzen Bereich Metall/Elektro und Holz
  • das Programm FIT (Frauen in Handwerk und Technik)
  • das Qualifizierungsprogramm "New skills" in den Bereichen Handel, Büro, Bau bzw. Bauökologie, Tourismus und  Umwelttechnik
  • die neue Insolvenzstiftung Burgenland (insbesondere aufgrund der letzten Konkurse).

Ausbildungsgarantie
Mit Lehrabschlüssen werden Jugendliche fit für die Zukunft gemacht. Gemeinsam mit dem Land Burgenland setzt das AMS die Ausbildungsgarantie für Jugendliche um. Ziel ist es, dass Burschen und Mädchen zu zukünftigen Fachkräften ausgebildet werden. Dazu wurde ein flächendeckendes Angebot an überbetrieblichen Lehrplätzen aufgebaut. Für diese wichtige Aufgabe werden jährlich 10 Millionen Euro investiert. ¾ der Kosten übernimmt hier das AMS.

Einstellungssache 50+
Die Altersgruppe der über 50-Jährigen weist einen kräftigen Anstieg bei der Beschäftigung, aber auch bei der Arbeitslosigkeit auf. Neben dem hinaufgesetzten Pensionsalter wachsen geburtenstarke Jahrgänge in die Altersgruppe hinein. Die Antwort des AMS sind verstärkte Vermittlungsbemühungen begleitet von großzügigen Förderungen. Eingliederungsbeihilfen im Rahmen der Beschäftigungsinitiative 50+ und die Förderung von Beschäftigungsprojekten wurden 2015 verstärkt für die rasche Arbeitsmarktintegration Älterer verwendet.

Förderschwerpunkte 2016
Der größte Förderschwerpunkt des AMS im Jahr 2016 bleiben die Jugendlichen. 8 Mio. € sind für die Umsetzung der Ausbildungsgarantie und Lehrstellenförderungen in Betrieben eingeplant.

Die Strategie, Ältere Arbeitsuchende am ersten und zweiten Arbeitsmarkt zu integrieren, wird mit Nachdruck verfolgt. Über 5 Mio. € an Eingliederungsbeihilfen und Projektfördermitteln sind reserviert.

Höherqualifizierung und Aktivierung bleiben ganz wichtige Säulen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. SchulungsabgängerInnen sollen ihre Ausbildung am Arbeitsmarkt verwerten können und schnell einen Job finden. Für FacharbeiterInnenintensivausbildungen im Metall- und Holzbereich und für das Programm Frauen in die Technik werden 2 Mio. Euro investiert.

Innovationen 2016

Eine neue, derzeit vorwiegend qualitative Herausforderung für das AMS Burgenland sind Konventionsflüchtlinge und Subsidiär Schutzbe-rechtigte. Die Zielgruppe umfasst derzeit ca. 100 Personen. Angeboten werden Kompetenzenchecks und Deutschkurse.

Nach dem Vorbild der sehr erfolgreichen Frauenberufszentren, wird 2016 im Burgenland ein Jugendberufszentrum entwickelt. Geboten werden hier verschieden Module der Orientierung, Kompetenzerhebung und Qualifizierung im Workshopformat.

Das AMS setzt sich österreichweit das Ziel, 50 % der Fördermittel für Frauen auszugeben und die Förderquote von MigrantInnen nach ihrem Anteil an den Arbeitslosen zu gestalten.

Service für Unternehmen

Professionelle Dienstleistungen und hohe Kundenzufriedenheit kennzeichnen die Arbeit des Service für Unternehmen im Jahr 2015.

Stellenmarkt
Das Ziel des AMS ist es, der wichtigste Akteur am burgenländischen Arbeitsmarkt zu bleiben. 2015 wurden dem AMS Burgenland mehr als 9.200 zu besetzende Jobs gemeldet, um 395 mehr als 2014. Das Stellenbesetzungsvolumen des AMS Bgld lag bei 7.800, um 100 weniger als im Vorjahr. Transparenz am Stellenmarkt und die Selbstbedienungsangebote spielen eine immer größere Rolle.

Stellenvermittlung
Stellenakquise, professionelle Vermittlung und ein enger Kontakt zu den Betrieben sind die Strategie für erfolgreiche Arbeit im Service für Unternehmen. 2015 wurden insgesamt 1.100 Betriebe besucht, um die Anforderungen der Betriebe zu erfassen und bei der Mitarbeiter-Innensuche gut umsetzen zu können.

Die Premiumdienstleistung der AMS Vorauswahl von BewerberInnen wurde bei 17% aller Vermittlungsaufträge umgesetzt. Die Zufriedenheit der Betriebe ist groß. Über 80% der betreuten Unternehmen bewerten das AMS mit einem Einser oder einem Zweier (auf einer 6-stelligen Skala).

Das eAMS Konto für Betriebe wird verstärkt genutzt. Besonders gut nehmen Unternehmen die eDienstleistung bei Förderanträgen und bei Anträgen in der Ausländerbeschäftigung an. Knapp 50% aller Förderanträge wurden über das e-AMS-Konto eingebracht.

Förderungen für Betriebe
Die zentralen Förderungen, die Betriebe beim AMS erhalten können sind Lohnkostenzuschüsse für besondere Zielgruppen und die Beihilfen für die Weiterbildung von MitarbeiterInnen.Nach einer einjährigen Pause gibt es sie seit 1.1.2015 wieder, die „Qualifizierungsförderung für Beschäftigte“. Das Ziel der QBN(eu) ist die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und Einkommenssituation von gering qualifizierten und älteren Beschäftigten. 2015 wurden 240 Personen mit 106.000 € unterstützt.

Die Beschäftigungsinitiative 50+ ist ein Sonderprogramm des Bundesministers für ältere, arbeitslos vorgemerkte Personen. 2015 wurden Arbeitsplätze von 550 Personen gefördert. In die Finanzierung der Arbeitsplätze bei Betrieben, Gemeinden oder arbeitsmarkt-politischen Projekten investierte das AMS 5,5 Mio. €.

Das AMS Burgenland setzt sich für 2016 das Ziel die Stellenbesetzungen um 100 steigern (7.900). Wir streben erstmals die Akquise von Stellenaufträgen mit einem Bruttoverdienst von mehr als 1.900 € pro Monat an. Hier sollen 1.350 Stellenaufträge akquiriert werden.

Arbeitsmarktpolitische Ziele

Unter schwierigen Rahmenbedingungen ist es dem AMS Burgenland 2015 gelungen, wichtige arbeitsmarktpolitische Ziele erfolgreich umzusetzen.

Die Schulungseffektivität bilanziert bei einer Arbeitsaufnahmerate von rund 40% binnen drei Monaten. Das Niveau bei den Stelleneinschaltungen lag bei 7.700 Besetzungen von offenen Stellen. Die nachhaltige Arbeitsaufnahme gelang bei 800 arbeitsmarktfernen Personen. 1.900 Wiedereinsteigerinnen gelang eine Arbeitsaufnahme oder eine Kursteilnahme. Fast jede und jeder Jugendliche wurde binnen 6 Monaten vermittelt oder nahm an Aus- oder Weiterbildungsangeboten teil.

Im Focus der arbeitsmarktpolitischen Ziele für das Jahr 2016 sind folgenden Zielgruppen: Ältere, Jugendliche, SchulungsteilnehmerInnen, Frauen und Personen mit Migrationshintergrund.

    AMS Arbeitsmarktservice Burgenland

    Permayerstraße 10, 7000 Eisenstadt, Österreich
    +43 2682 692-0

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