Werte und Performance gleichsam bedeutend

  • WdF
  • 18.01.2022 13:19
Werte und Performance gleichsam bedeutend
Frank Schneider, Pipelife Austria

Frank Schneider, Geschäftsführer von Pipelife Austria, spricht im LEADERSHIP-Interview über die Kennenlernphase seiner neuen Aufgabe, über hochklassige Technologie- zellen in Österreich und seine Perspektive zu Bestimmungsgrößen ethischer Führung.

Sie sind seit September General Manager bei Pipelife. Welche Erfahrungen konnten Sie bisher in Ihrem neuen Job sammeln?
Viele schöne und spannende. Ich durfte beispielsweise sehr viele langjährige und engagierte Kolleginnen und Kolle- gen kennenlernen. Bei Pipelife Austria ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass Menschen viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte bei uns arbeiten. So ist ganz viel Know-How im Unternehmen, das wir für die Entwicklung und Umsetzung unserer Zukunftsstrategie unbedingt brauchen. Dazu konnte ich viele unserer Kunden und Geschäftspartner kennen- lernen und bin überzeugt, dass wir mit diesen ausgezeichneten Partnerschaften erfolgreich die Zukunft gestalten.

Ihre Unternehmenszentrale befindet sich in Wien, der Produktionsstandort in Wiener Neudorf. Ist Österreich ein konkurrenzfähiger Wirtschaftsstandort?
Absolut. Österreich besticht durch hoch- klassige Technologiezellen, einen sehr attraktiven Standort, gute Talente und Fachkräfte sowie der Entwicklung wich- tiger Zukunftsthemen, z.B. in der Digi- talisierung. Hier könnte es zwar noch schneller gehen, denn wir müssen auch die Produktivität im Vergleich zu anderen Ländern weiter im Blick haben. Und hier leistet Digitalisierung einen ganz wich- tigen Beitrag.
 
Welchen Beitrag leistet Pipelife als In- dustrieunternehmen zum Thema Nach- haltigkeit? Gibt es konkrete Projekte?
Sehr viele. Pipelife ist als Teil der Wie- nerberger Gruppe darauf fokussiert, ESG-Projekte (Environmental Social Go- vernance) umzusetzen und unserer Ver- antwortung z.B. durch den verstärkten Einsatz von Rezyklaten in der Produktion gerecht zu werden. Wir unterstützen als aktives Mitglied des Österreichischen Arbeitskreises Kunststoffrohr Recycling (ÖAKR) auch die umweltgerechte und nachhaltige Wiederverwertung von gebrauchten Rohren, Formstücken und bei der Verlegung anfallenden Rohrresten aus Kunststoff.
Aber auch die soziale Nachhaltigkeit ist für uns bei Pipelife Austria sehr wich- tig. Seit Jahrzehnten schon arbeiten wir beispielsweise mit der Werkstätte der Lebenshilfe NÖ in Berndorf/St.Veit zusammen. Durch das Umverpacken von Elektrokleinteilen bieten wir den Klientinnen und Klienten eine sinnstif- tende Arbeit.

Was sehen Sie als Bestimmungsgrößen ethischer Führung?
Bei ethischer Führung kommt es aus meiner Sicht darauf an, ein gesundes Wertegerüst mitzubringen und dieses nicht kurzfristigen Optimierungsinte- ressen unterzuordnen oder gar aufzu- geben, wenn der Zweck die Mittel zu heiligen scheint. Beispielsweise ist es unakzeptabel, wenn eine Führungs- kraft toxisches Verhalten gegenüber Mitarbeitern an den Tag legt, aber sehr gute wirtschaftliche Ergebnisse ab- liefert. Da gibt es keine Toleranz bzw. ein „naja, aber er bzw. sie bringt gute Ergebnisse“-Schönreden. Es müssen Werte und Performance gleichsam bedeutend erfüllt werden. Wenn das nicht der Fall ist, wie im obigen Beispiel, gilt es konsequent zu handeln. Denn neben glänzenden Powerpoint Präsentatio- nen ist es vor allem das Verhalten von Führungskräften, auf das Mitarbeiter schauen. Nur so sind Führungskräfte im Übrigen glaubwürdig. Also wenn das Handeln zu dem Gesagten passt und umgekehrt.

„Wichtig ist das Interesse am Menschen und daran, die Potenziale und Stär- ken der Kolleginnen und Kollegen bestmöglich zu fördern und zu entwickeln.
FRANK SCHNEIDER


Durch welche Faktoren kann Führung gegenüber den Mitarbeitenden legiti- miert werden?
In erster Linie durch Akzeptanz. Füh- rung an sich ist keine Position oder Vor- gesetztenfunktion. Sondern Führung wird zugeschrieben. Wichtig dabei ist das Interesse am Menschen und daran, die Potenziale und Stärken der Kolle- ginnen und Kollegen bestmöglich zu fördern und zu entwickeln.
 
Was war Ihre bisher größte berufliche Herausforderung?
Restrukturierungen in der letzten Auf- gabe, bevor ich zu Pipelife Austria kam. Dies ging einher mit einer ganzen Menge schwieriger und unpopulärer Entschei- dungen. Hier habe ich gelernt, dass selbst die unangenehmsten Themen gut geklärt werden können, wenn Menschen frühzeitig mit einbezogen werden. Die meisten halten Ehrlichkeit und Direktheit übrigens viel besser aus als Wischi-Wa- schi-Aussagen bzw. dem Vor-sich-her- schieben von Entscheidungen, die dann ohnehin getroffen werden müssen.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
„Management Beyond Ego“ von Mathias Kolbusa. Hier geht es darum, sich als Führungskraft täglich bewusst zu sein, dass es um mehr geht als um das eigene Ego. Im Interesse der Menschen, für die man verantwortlich ist, im Interesse der Unternehmensmission, die man errei- chen will und im Interesse aller Stake- holder, also der Interessensgruppen des Unternehmens.

Welche Ziele haben Sie sich für 2022 gesetzt?
Das Unternehmen gut für die Zukunft aufzustellen, wichtige Projekte wie z.B. unsere Smart & Customized Solutions weiterzuentwickeln und unsere Perso- nalarbeit auszubauen. D.h. Talente und Nachwuchskräfte für das Unternehmen zu begeistern, sie systematisch einzubin- den und ihnen attraktive Karrierepfade zu bieten. Persönlich habe ich das Ziel, meine Familie mit der spannenden und intensiven Herausforderung bei Pipelife gut unter einen Hut zu bringen.
 
Zur Person

Frank Schneider trat mit 1. September in die Geschäftsführung von Pipelife Austria, ein. Er hat zuletzt ThyssenKrupp Materials Austria als Ges- chäftsführer erfolgreich und zukunftsfähig neu positioniert. Aus seinen beruflichen Stationen bei Knauf und der ETEX-Gruppe bringt Frank Schneider wertvolle Erfahrungen aus dem Bauzulieferbereich mit. Der gebürtige Deutsche ist Diplom-Kaufmann und erwarb einen Executive MBA in New York und Brüssel, wo er zwei Jahre lebte.    

Zum Unternehmen

Pipelife wurde 1989 gegründet und ist seit 2012 zu 100% im Besitz der Wienerberger Gruppe. Der Pipelife Konzern, ein Unternehmen mit über 3.200 MitarbeiterInnen, ist in 25 Ländern vertreten, die Konzernzentrale liegt in Wien. Pipelife ist ein international führender Hersteller von nachhaltigen Rohrsystemen und Anbieter von Komplettlösungen-vonderTrinkwasserversorgung über das Regenwassermanagement, der Abwasserentsorgung und der Bewässerung bis hin zur Gebäudetechnik. Das österreichische Tochterunternehmen Pipelife Austria beschäftigt ca. 280 Mitarbeiter*innen an 22 Standorten.


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