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Benjamin Rahn

Vor Menschen sprechen: 7 Tipps zum Umgang mit Ängsten

08. Juni 2017 | 09:49 Autor: Benjamin Rahn Österreich, Liechtenstein, Burgenland, Kärnten, Schweiz, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Wien, Tirol, Vorarlberg, Deutschland

Wenn Sie am Wochenende mit Freunden in der Kneipe oder bei Bekannten zum Grillen eingeladen sind, dann sind sich alle sicher "heute ist Unterhaltung garantiert". Sobald Sie aber aufgrund Ihrer Kontaktfreudigkeit und Ihrer Offenheit auf einem offiziellen Anlass vor mehreren Menschen eine Rede halten oder etwas präsentieren sollen, steigt die Aufregung ins Unermessliche. Für introvertierte, schüchterne Personen wird es noch schwieriger, denn sie erleben sich auch im Privaten als nicht besonders selbstwirksam: Präsentation? Katastrophenalarm.

Wenn gar fremde Personen anwesend sind, weigern sich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas vor Publikum für ihre Organisation zu präsentieren. "Mach Du das, Du kannst gut mit Leuten!"

Egal ob es an Versagensängsten oder schlechten Erfahrungen liegt: die Angst vor Menschen zu sprechen trifft auch jene vermeintlichen Entertainer, die sonst gut mit Menschen können. In einer Befragung aus dem Jahr 2013 gab die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer an, mehr Angst vor dem Sprechen vor Fremden zu haben als vor dem Tod, vor Krankheit oder Geldnot! Es scheint also das Schlimmste zu sein, einen Mitarbeiter zu einer Präsentation vor Fremden zu nötigen. Das führt in aller Regel zu einem Vermeidungsverhalten, das häufig erfolgreich funktioniert. Bis zu dem Tag X, an dem derjenige dran ist etwas über seine Abteilung zu sagen oder einen Projektstand zu präsentieren.

Seminare zu Präsentationstechniken und Rhetorik bleiben oft ohne Wirkung. Das liegt an tiefer liegenden Merkmalen, die nichts mehr mit der inhaltlichen Aufbereitung von Sachthemen zu tun haben. In der Tat geben Seminare zu Methoden und Techniken mehr Sicherheit für das eigene Handeln. Je mehr Übung, desto mehr Sicherheit! Der althergebrachte Tipp "Übung macht den Meister" trifft auch hier ins Schwarze. So banal diese Phrase klingt, so häufig begegnen mir in der Praxis Gegenbeispiele ("ich hatte keine Zeit es nochmal durchzugehen", "mit dem Thema kenne ich mich nicht so aus"). Nur durch konsequente Wiederholung, werden wir zu Experten und bekommen Sicherheit. Dazu sieben Tipps, mit denen Sie Ängsten begegnen können.

I. Identifizieren Sie, was Sie über andere Präsentationen und den Präsentierenden denken

Aus meiner Sicht einer der wichtigsten Punkte. Denn woher kommt es, dass wir die Rückmeldung der anderen Menschen so sehr fürchten? Besonders wenn der Vortrag vor Personen ist, die man selbst nicht kennt. Wer sagt Ihnen, dass Ihre Zuhörer Ihnen nicht wohlgesonnen sind? Das, was wir in die Köpfe anderer Menschen hineindenken, sind Überzeugungen und Handlungen, die unserem eigenen Geist entspringen. Wenn ich in einem Vortrag sitze und währenddessen alles kritisiere, mich danach über das Äußere oder die Stimme lustig mache, dann gehe ich davon aus, dass andere Zuhörer genauso sind.
Setzen Sie sich also das nächste Mal bewusst in einen Vortrag und üben Sie absolute Wertschätzung gegenüber dem Vortragenden, auch wenn die Präsentation oder der Inhalt eher mäßig sind.

II. Negative Überzeugungen abbauen
Aus den eigenen negativen Überzeugungen über die eigene Person resultieren viele soziale Ängste. Beispiele hierfür sind:

  • Ich konnte noch nie vor Menschen sprechen.
  • Ich sage zu oft „ähhh“ und weiß nicht, was ich mit meinen Händen machen soll.
  • Ich habe keine Präsenz im Raum.
  • Ich bewundere Menschen, die so einfach vor anderen reden können.
  • Wenn ich … wäre, dann könnte ich auch gut vortragen.
  • Ich verrenne mich in Details und komme nicht auf den Punkt.


Ihre Überzeugungen kommen natürlich nicht von ungefähr und haben ihren Ursprung in negativen Erfahrungen, die vermutlich schon lange zurückliegen. Dies hat jedoch zur Folge, dass Ihre mittlerweile längst verbesserten Kompetenzen durch diese alten Überzeugungen ausgebremst werden. Sich diese bewusst zu machen ist ein erster Schritt.

III. Positive Überzeugungen generieren
In einem nächsten Schritt können Sie die negative Formulierung natürlich nicht einfach umformulieren. Wenn Sie sagen "ich konnte schon immer gut vor Menschen sprechen", dann glauben Sie sich das selbst nicht. Stattdessen geht es darum, sich Übungsplätze zu suchen und kleinere Präsentationen immer wieder zu wiederholen und zu reflektieren. Das hat zwei Effekte: Erstens bekommen Sie Übung im Sprechen und im Präsentieren und zweitens werden Sie dadurch immer besser und besser. So gewinnen Sie eine neue Überzeugung, die Sie sich statt "ich konnte noch nie vor Menschen sprechen" sagen. Nämlich "Mit jeder Präsentation werde ich besser und besser im Reden vor anderen Menschen."

IV. Das Publikum ist wohlwollend
Gehen Sie pauschal von einem wohlwollenden Publikum aus. Wenn Sie davon ausgehen, dass Ihnen alle Anwesenden Ihren Vortrag missgönnen und Sie als Person nicht mögen, ist das eine hinderliche Überzeugung, die Ihnen Ängste und Blockaden beschert. Gehen Sie deshalb immer davon aus, dass Ihr Publikum Ihnen gegenüber wohlwollend gestimmt ist. Denn viele Ihrer Zuhörer wissen in aller Regel, wie sehr sie selbst nicht da vorne stehen wollen würden und haben durchaus auch Verständnis, wenn jemand nervös ist.

V. Gelassenheit vor Bewertungen
Fragen Sie sich unbedingt: Was ist das Schlimmste, was mir passieren kann? Auch wenn es in amerikanischen Filmen oft so dargestellt wird, so habe ich bislang noch nicht gehört, dass jemand wegen einer vermeintlich schlechten Präsentation seinen Job verloren hat. Was kann also noch passieren? Dass ein, zwei oder drei Leute im Publikum sitzen, denen Ihre Nase nicht gefällt oder Ihre Art zu reden? Gewöhnen Sie sich an den Gedanken, dass Menschen unterschiedlich auf die Welt und auf Sie blicken, denn es kommt vor, dass Sie jemandem pauschal unsympathisch sind. Sehen Sie es gelassen und bedenken Sie dabei, dass diese Reaktion meist auf Gegenseitigkeit beruht.

VI. Mentale Visualisierung
Unserem Gehirn ist es nahezu egal, ob eine Situation wirklich passiert oder wir uns diese nur bildlich und mit allen Facetten vorstellen. Das braucht ein bisschen Übung, aber klappt sehr gut. Leistungssportler gehen vor einem Wettkampf die Abläufe mehrmals im Kopf durch, so werden sie stetig besser ohne auf dem Tennisplatz oder der Laufstrecke zu stehen. Stellen Sie sich also die Situation so greifbar wie möglich vor Ihrem geistigen Auge vor und Sie werden merken wie auch die Ängste hochkommen, die Sie real hätten. Je öfter Sie sich die Situation vorstellen, desto weniger ängstlich werden Sie werden, was sich in die Realität überträgt.

VII. Ignorieren Sie gut gemeinte Ratschläge
Damit ist alles von "stell dir die Leute einfach nackt vor" bis hin zu "tu einfach so, als wären sie nicht da" gemeint. Von derart küchenpsychologischen Dingen liest man immer wieder und ich halte es schlicht für Unsinn. Denn wenn ich mich während des Vortrages auf meinen Inhalt und eine bewusste Artikulation fokussiere, lenke ich mich durch dieses Verhalten nur unnötig ab. Gleichzeitig fühlt sich das Publikum nicht gesehen und der Vortrag wirkt kühl. Überdenken Sie diese Ratschläge gut und greifen Sie zu gängiger Literatur mit wertvollen Beiträgen zu Präsentationstechniken wie u.a. Martin Dall oder Josef W. Seifert.

Wenn eine Präsentation wirklich einmal in die Hose gegangen ist, dann ist es an Ihnen, dies nicht über zu bewerten. Denn in aller Regel ist man selbst sein größter Kritiker und schlimmstenfalls bleiben erhoffte positive Rückmeldungen aus. Bleiben Sie trotzdem dran und machen Sie es beim nächsten Mal besser.

Noch ein wichtiger Satz für Ihre nächste Präsentation:
"Angst ist gut! Sie bewahrt vor einer mangelnden Vorbereitung"

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