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Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz beim KSV1870

KSV1870 veröffentlicht Unternehmensinsolvenzstatistik zum ersten Quartal 2016

29. März 2016 | 09:50 Autor: KSV1870 Österreich, Niederösterreich, Burgenland, Tirol, Salzburg, Wien

Wien (A) Der Anstieg der eröffneten Unternehmensinsolvenzen um 12 % bedeutet, dass der prognostizierte Zuwachs nun messbar geworden und die Talsohle durchschritten ist. Der Anstieg der Passiva um 280 % klingt spektakulärer als er ist: Er ist der Pleite zweier reiner Holdinggesellschaften geschuldet.

Die beiden Unternehmen Activ Solar und Slav Handel haben ihre Verbindlichkeiten vor allem gegenüber ukrainischen Banken. Diese Fälle, bei denen auch eingefrorenes Vermögen eine Rolle spielt, stellen keine typischen österreichischen Pleiten dar und verzerren daher die Gesamtstatistik. Doch auch davon abgesehen, sind ein Anstieg der Passiva sowie ein eklatanter Zuwachs bei den betroffenen Dienstnehmern um beinahe 40 % zu registrieren.

Insolvenzexperte Dr. Hans-Georg Kantner zur momentanen Situation: „Erfreulich ist, dass sich die nicht eröffneten Insolvenzverfahren, die zuletzt stark zurückgingen, weiter auf eher niedrigem Niveau halten. Die Eröffnung beendet  ja ein oft jahrelanges Siechtum und bietet die Chance zur Sanierung. Ganz und gar nicht erfreulich hingegen ist der Anstieg der betroffenen Dienstnehmer auf 6.200 im ersten Quartal. Besonders in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit ist zu hoffen, dass zumindest ein Teil der betroffenen Jobs erhalten werden kann.“

Bundesländer-Analyse
In Salzburg ist der Anstieg um mehr als 65 % vor allem kleinen und kleinsten Fällen geschuldet, es handelt sich dabei um einen Aufholeffekt in dieser Unternehmenskategorie. Ein ähnlicher Trend zu kleinen Fällen ist in Niederösterreich zu verzeichnen, wo die Passiva mit EUR 40 Mio. etwas mehr als die Hälfte des Vergleichszeitraums 2015 betragen. Nahezu ein Viertel der ohnehin schon vergleichbar geringen Passiva entfällt auf einen einzigen Insolvenzfall, das Sanierungsverfahren der Franz Bamberger GmbH. Gleiches gilt auch für das Burgenland, wo die Hälfte der Gesamtpassiva einem einzigen Fall, nämlich der Insolvenz VRL Thermensuiten GmbH zuzuordnen ist. In Tirol ist ein gewisser Nachholeffekt zu verzeichnen, nachdem sich die Anzahl der Verfahren in den Jahren bis 2014 auf einem eher geringen Niveau befunden hatte.

Branchen-Analyse
Die beiden großen Insolvenzen der eingangs erwähnten Holdinggesellschaften haben auch bewirkt, dass sich die Branche der unternehmensbezogenen Dienstleistungen bei der Höhe der Passiva an die Spitze der Tabelle gesetzt hat. Dieses Ergebnis kann ebenfalls einer realistischen Betrachtung nicht Stand halten. Es ist – wie schon in den Vorjahren – die Bauwirtschaft, die auch im ersten Quartal 2016 dieses Ranking anführt. Auch dass sich die Branche „Lebens- und Genussmittel“ im Spitzenfeld befindet, liegt an einer Ausnahme: Die Pleite der Steirerfrucht-Firmengruppe hat diese Branche nach vorne katapultiert.

Ausblick

„Ein Rückgang der Insolvenzen ist mittelfristig nicht zu erwarten. Doch ist auch ein eklatanter Anstieg derzeit unwahrscheinlich. Solange die Niedrigzins-Politik andauert, können sich viele überschuldete Unternehmen zum Teil gerade noch auf dem Markt halten. Spätestens, wenn die Zinsen steigen, werden diese Firmen das Handtuch werfen müssen“, fasst Hans-Georg Kantner seine Einschätzung zusammen.

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